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Landig, Wilhelm

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Wilhelm Landig geboren am 20.Dezember 1909 gestorben 1997.
1934, nach dem gescheiterten NS-Putsch flieht der überzeugte Nationalsozialist Landig ins „Reich”. Er wird Mitarbeiter des sogenannten Sicherheitsdienstes (SD) und bringt es in der 8. SS-Kavalleriedivision „Florian Geyer” zum Oberscharführer.
Nach dem „Anschluss” Österreichs kehrt der Himmler-Bewunderer nach Wien zurück. Hier will Landig an geheimen SS-Flugscheibenprojekten mitgearbeitet haben.

Nach 1945 spielte Landig dann „eine Schlüsselrolle bei der Verbreitung neonazistischen und völkischen Gedankenguts”. (C15)

Er galt als der profilierteste Vertreter nationalsozialistischer Esoterik im deutschsprachigen Raum.

Die SS als ordensähnlich organisierte, rein arische Eliteeinheit wird häufig als Gegenpol zur bürokratisierten NSDAP dargestellt. Während die Partei 1945 untergegangen ist, besteht die SS, so glaubt man, im Geheimen weiter.
In seinen Romanen beschreibt der ehemalige SS-Mann das Thema der Flugscheiben, mit denen SS-Leute in die Antarktis (nach Neuschwabenland ) geflohen seien, um ihren Kampf gegen die Freimaurerei fortzuführen.

In einem Interview mit Friedrich-Paul Heller berichtet er: "Nach Kriegsende sind 2000 junge Menschen noch in die Antarktis geschafft worden, aus der Bundesrepublik, also, die hat man da runter gebracht, aber die sind mittlerweile alle nach Südamerika verfrachtet worden. Das ist nur immer ein kleiner, ein ganz kleiner Rest da unten, der ausgetauscht wird."
und weiter: "Es war dann so, dass Sondereinheiten damals von uns und der SS haben ja dann die Dinge in Sicherheit gebracht, die sind dann ja auch nach der Antarktis verbracht worden. Und von dort sind dann die Sachen natürlich nach Südamerika hinüber, weil da die Antarktis langsam abgebröckelt ist, aus dem andern Grund, weil ja die Gesundheitsfrage eine große Rolle gespielt hat." (aus einer Rundfunksendung des HR vom März 1996)

Den Mythos, dass die SS als geheimer Orden weiterexistiert und zur Reinhaltung der arischen Rasse Jugendliche in die Antarktis geflogen habe und ähnlich absurde Spinnereien hat Landig in seiner Romantrilogie "Thule" ausführlich geschildert, die in Nazikreisen bis heute kursiert. Durch Vortragsreisen und eine rege Verlagstätigkeit hat Landig Einfluss auf die Szene ausgeübt. In "Wolfszeit um Thule" schreibt er:

"Thule ist das Licht und die Kraft, Brücke von einer Hochrasse, mit einer einst volks- und naturnahen Hochreligion an ein Höchstes Wesen und mit einem Kulturbringerauftrag und Sendungsbewusstsein eines noch nicht versiegten Blutstromes. In diesem Blut, das in den Adern unserer Nordleute fließt, ist immer noch das heimliche Singen um Thule, um das Gesetz des Mitternachtsberges, um den Sammelpunkt im Norden, wo sich die Leute finden, um morgen oder übermorgen wieder die ersten zu sein."

Zum Thema Demokratie schreibt er: „Volksherrschaft ist die übliche Bezeichnung. Man geht von der Übersetzung des altgriechischen ‚demos‘ als Wort für ‚Volk‘ aus. Tatsächlich aber ist das altgriechische Wort für Volk ‚laos‘. So wird auch der Name Menelaos richtig übersetzt als ‚Volksführer‘. Das Wort ‚demos‘ indessen heißt ‚Abschaum‘. Die altgriechischen Bauern von Piräus kochten zu ihrer Zeit in großen Kesseln Schaffett und schöpften dann von der Oberfläche des Suds den (wertlosen) Abschaum herunter. Diesen Abschaum nannten sie ‚demos‘. Die Intelligenz und Führungselite der altgriechischen Städteregierungen bezeichneten danach dann ihrerseits die aufkommende Herrschaft des Pöbels verächtlicherweise mit Demokratie, die Herrschaft des Abschaums.“

In seiner dreibändigen zwischen 1971 und 1991 erschienenen Thule-Trilogie, beschreibt Landig den Bau von Flugscheiben während des Krieges, die Adolf Hitler und seine Gefolgsleute kurz vor dem Zusammenbruch des Dritten Reichs in die Anden und die Antarktis gebracht haben sollen. Im Gegensatz zu seinen Nachfolgern wie Holey nannte Landig seine Trilogie nicht Sachbücher sondern Romane. Landig erhob also nicht den Anspruch, wissenschaftliche Forschungsergebnisse zu präsentieren. Als Romane waren seine phantastischen Geschichten freilich nur der juristischen Form nach Fiktion; für nicht wenige seiner Leser berichtete Landig die Wahrheit. Somit bereiteten Landigs Bücher, die nach wie vor zum Kauf angeboten werden, den Boden für Autoren wie Jan Udo Holey vor. (vgl. L09)
In seinen Werken führt Landig seine Leser in den „inneren Kreis der SS ein, der - unabhängig von der NSDAP-Führung - angeblich nur das Beste zur Rettung des Abendlandes gewollt habe. Hinter all diesen Bestrebungen habe der Geist von ‚Thule’ gestanden, die Erinnerung an den ältesten Kontinent der Welt, in dem einst eine Rasse von beispielhafter Reinheit und Gottnähe jahrtausendelang wohnte.’” (S27)

Quellen:

C15 Art.: „Ahnenerbe, Ufos, Neonazis: Wilhelm Landig”, von: Margret Chatwin, in: www.lrz-muenchen.
L09 Wilhelm Landig, Götzen gegen Thule - ein Roman voller Wirklichkeit, Hannover 1971; Wilhelm Landig, Wolfszeit für Thule, Wien 1980; Wilhelm Landig, Rebellen für Thule - das Erbe von Atlantis, Wien 1991.
S27 Rüdiger Sünner, „Thule” gegen Juda”. Von Urparadiesen und Zukunftskriegen in der Mythologie der Rechten, in: Hans Gasper, Friederike Valentin (Hgg.), Endzeitfieber. Apokalyptiker, Untergangspropheten, Endzeitsekten, Freiburg Basel Wien 1997, S. 100-130, hier S. 121. Vgl. Jan van Helsing, Geheimgesellschaften, Bd. 1, S. 145.

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 10. Dezember 2009 um 19:55 Uhr

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