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In Reichweite der Raketen

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Ein Kommentar von Chaim Nol.

 Chaim NollChaim Noll (im Foto rechts mit weißem Hemd)

wurde 1954 in Ostberlin als Sohn des Schriftstellers Dieter Noll geboren. 1983 reiste er in den Westen aus, seit 1995 lebt er in Israel. Demnächst erscheint im Verbrecher Verlag sein neuer Roman "Feuer".

Er meint: Deutsche Medien zeichnen ein verfälschtes Bild von Israel.

 

Wir leben vierzig Kilometer vom Gazastreifen entfernt, in einem Vorort der Stadt Beer Sheva (Foto). Von unserer Dachterrasse sehen wir im Süden die Negev-Wüste und die Wohnorte einiger Beduinenstämme, im Norden die ersten Hügel der Wüste Judäa mit Palästinenserdörfern und einer jüdischen Siedlung (im Westjordanland, d. Red.). Wir wohnen in Sichtweite des Beer-ShebaSicherheitszaunes, zum nächsten Checkpoint ist es eine halbe Stunde Fußweg durch die Wüste. Tausende Palästinenser passieren täglich die Kontrollanlagen, um auf unserer Seite zu arbeiten. Die Palästinenser aus diesen Dörfern (im Westjordanland) leben von Israel, gleichfalls die Beduinen auf unserer Seite des Zaunes. Das ist unser Alltag, über den deutsche Medien wie auf Verabredung nicht berichten.

 

Ganz anders ist die Lage in Gaza. Dort sind 2005 die israelischen Siedler und Truppen abgezogen, nach jahrelangem Druck durch fortschrittliche Menschen und Friedensfreunde. Bald darauf erwies sich dieser Abzug für die palästinensische Bevölkerung als Desaster. Er führte keineswegs zum friedlichen Aufbau eines eigenen Staates, sondern zu Orgien der Zerstörung, zur Vertreibung zahlreicher Intellektueller und Mittelständler - kurzum derer, die zu einer Staatsgründung unerlässlich sind - und blutigen Säuberungen durch die militante, vom Iran bezahlte Organisation Hamas. Das Foto zeigt Hamas Kämpfer und ein Kind mit Sprengstoffgürteln.


Die Charta dieser Organisation ist öffentlich zugänglich, unter anderem im Internet, ihr Hauptanliegen ist die Vernichtung des Staates Israel und die Vertreibung aller Juden ("Zionisten") und Christen ("Kreuzfahrer") aus der Region. Frauen weist diese Charta die Rolle als Gebärerin und Amme künftiger Hamas-Kämpfer zu. Da die Glaubenskämpfer im Gazastreifen sich selbst als Männer der Tat verstehen, begannen sie alsbald mit dem permanenten Beschuss des israelischen Staatsgebiets mit Mörsergranaten und Raketen.

Warum ist immer Israel schuld?

Seither lebe ich im Einschussbereich iranischer Raketen, die jederzeit von Gaza aus abgefeuert werden können. Auch heute, da ich dies schreibe, sind wieder drei Geschosse eingeschlagen. Wie weit sie reichen, wissen wir seit Januar 2009, als auch Beer Sheva und Vororte unter Beschuss gerieten - rund eine viertel Million Menschen, Juden und Araber. Die Universität wurde geschlossen, die Schulkinder mussten zu Hause bleiben. Das erste Todesopfer war ein Araber, der auf einer israelischen Kassam-Raketen-Einschlag in IsraelBaustelle arbeitete - auch dieses Detail blieb in deutschen Medien möglichst unerwähnt. (Das Foto zeigt einen Raketeneinschlag in der israelischen Stadt Sderot)

Damals ist mir zum ersten Mal aufgefallen, dass geschehen kann, was will: Israels Schuld steht a priori fest. Das Bild von Israel, das die meisten deutschen Medien zeichnen, ist voreingenommen, selektiv, verfälscht. Der überwiegende Teil der israelischen Realität wird einfach ausgeblendet. Die Erfolge des Landes, der wirtschaftliche Aufschwung, das Sozialsystem für Juden und Araber gleichermaßen - nichts davon finden deutsche Medien mitteilenswert.

Oft berichten sie ausgemachten Nonsens. Lügen vergessen sie zu korrigieren, auch wenn sie aufgeflogen sind (wie kürzlich die gefälschten Fotos der Nachrichtenagentur Reuters, auf denen die Messer in den Händen türkischer Friedensfreunde einfach weggeschnitten wurden - kaum eine deutsche Zeitung hielt es für nötig, darüber aufzuklären). Europas Wahrnehmung dessen, was hier geschieht, liegt so weitab von der Wirklichkeit, dass schwere politische Irrtümer nicht ausbleiben können. Auch kostenspielige: Viele Milliarden hat die EU im Nahen Osten in den Sand gesetzt.

Ich bedaure die Leser, die auf diese einseitige, dürftige Berichterstattung angewiesen sind. Wäre der Hafen von Gaza offen, wie Medien, Politiker und gute Menschen Europas fordern, könnten die Waffenschiffe des Mullah-Regimes ungehindert Raketen und anderes Kriegsmaterial anliefern. Wir wären dann - wie jedes Kind auf der Landkarte sehen kann - unter Dauerbeschuss und müssten diesen Teil Israels räumen. Ist es das, was die Friedensfreunde wollen?

Wir Juden kennen keine Tabus

Die zentrale Frage dieser Debatte, ob Kritik an Israel "erlaubt" sei, ist verfehlt. Für Juden gibt es traditionell kein Tabu des Denkens, folglich auch kein Verbot, irgendetwas oder irgendwen in der Welt kritischer Betrachtung zu unterziehen. Juden haben das kritische Denken eigentlich erst kultiviert, zur Methode gemacht und damit immer wieder soziale Verhältnisse, Wissenschaft und Kunst revolutioniert. Jüdische Kritik gilt auch dem Staat Israel. Er wird vermutlich von Juden, besonders von Israelis, kritischer gesehen als von irgendwem sonst.

 

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 17. August 2010 um 18:28 Uhr  

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Der Mannheimer Stützpunkt des Beratungsnetzwerkes gegen Rechtsextremismus beginnt im Januar 2010 mit seiner Arbeit. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beraten bei rechtsextremen Vorfällen Betroffene sowie Bürgerinnen und Bürger, die sich gegen rechts engagieren wollen. Solche Vorfälle können beispielsweise rechtsextreme Propaganda an Schulen, Schmierereien im Stadtteil, rassistische Pöbeleien im Betrieb, Übergriffe oder Aufmärsche von Nazis in der Stadt sein.

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