Antifaschismus 2.0

Verschwörungstheorien und Faschismus im Web 2.0

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S.K.D.

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Die extrem rechte Band SKD aus Gotha tauchte erstmals im Frühjahr 2005 auf und ist Nachfolger von zwei anderen rechtsextremen Musikgruppen. Ihr Name steht für „Sonderkommando Dirlewanger“, benannt nach einer besonders grausamen und sadistischen Einheit, die vom SS-Oberstürmer Oskar Dirlewanger im Zweiten Weltkrieg aufgestellt wurde. Die aus überwiegend vorbestraften Soldaten rekrutierte Gruppierung wurde im Zeitraum 1931 bis 1945 gegen tatsächliche oder vermeintliche Partisanen erst in Polen, dann in der Sowjetunion eingesetzt und fiel immer wieder durch Massenvergewaltigungen und anderer Exzesse in der Regel an Minderjährigen und Kindern auf. [1] Mit diesem Label brüstet sich nun ein vierköpfige Musikergruppe aus dem mittelthüringischen Gotha und hetzt bei ihren Auftritten mit typisch rechtsextremen Liedtexten im sogenannten „RAC“-Stil („Rock Against Communism“) gegen alles was nicht ins eigene Weltbild passt. In der Rechts-Rockszene hat die Band bereits einen überregionalen Kultstatus.

 Hausdurchsuchungen, Waffenlager & Diebesbande – Die kriminelle Vorgeschichte

SKD entstand aus den Neonazi-Bands „Kampfgeschwader“ bzw. „Bataillon“. [2] Am 23. August 1996 trafen sich zum Debütauftritt von „Bataillon“ rund 60 Rechtsextreme im damaligen Gothaer-Neonazi-Treff „Bunker“. Als während den regelmäßigen Saufgelagen am 13. September 1996 aus dem Bunker mit einem Luftgewehr auf vorbeigehende Passanten geschossen wurde, kam es zu einem verspäteten Polizeieinsatz im Szenetreff, bei dem 29 Jugendliche, darunter Mitglieder von Bataillon, in Gewahrsam genommen wurden. Die Rechtsextremen griffen bei der Personalienfeststellung einige der 25 BeamtInnen an und beschädigten ein Polizeifahrzeug. Im Keller wurden unter anderem Baseballschläger, Hitleraccessoires und eine Hakenkreuzfahne gefunden. [3] Es folgten nur wenige Konzerte und ab Ende 1996 gab es keine Aktivitäten der Band mehr. Am 19.03.1997 wurde ein Wehrsportlager am Ortstand der Stadt Gotha ausgehoben, für welches Bandmitglied Thomas Wagner und die Bunkergruppe verantwortlich waren. Dabei fand die Polizei Waffen, Kampfausrüstung, Hakenkreuze, SS-Runen, eine Reichskriegsflagge, ein geklautes Feuerwehrzelt, Feldbetten, Spinde, vier Luftgewehre, eine Schreckschusspistole, Drosselschlingen, Gasmasken, aufgemotzte Feuerwehr- und Stahlhelme, eine Überwachungskamera, massenhaft leere Bierflaschen und ein Lagerfeuer samt Holzkreuz, welches á la Ku Klux-Klan aufgebaut war. Die Staatsanwaltschaft ermittelte wegen Bildung einer bewaffneten Bande. Im Juni 1997 schoss Wagner beim Spielen mit einer Pumpgun seinem Kumpel Marco Zint ins Bein, die Waffe holte er sich im Waffengeschäft des Arnstädter Neonazi-Kaders Thomas Kreysler. Diese hatte sich Wagner besorgt, weil ein Diskothekbetreiber angeblich „Türken auf ihn angeheuert“ hätte, nach dem er und Zint einen dort aufgestellten Spielautomaten beschädigt und daraus Bargeld entwendet hatten. [4] Im Jahr 2000 organisierten sich die Bataillonmitglieder neu und gründeten die Nachfolgeband „Kampfgeschwader“.[5] Im Februar gleichen Jahres beschlagnahmte die Polizei die erste CD der Band mit den Namen „Skinheads Thüringen“, welche mit Hakenkreuzen und volksverhetzenden sowie gewaltverherrlichenden Liedinhalten bestückt war. Im August 2001 kam es schließlich zu einer großangelegten Razzia in zwölf Wohnungen und einem Tonstudio in Gotha-Ost. Dabei tauchten neben einer scharfen Schusswaffe und anderen Ausrüstungsgegenständen auch umfangreiche Bestände rechtsextremer Propaganda, sowie Diebesgut im Wert von fast 250.000 Mark auf. [6] Das Equipment für das Tonstudio war ebenfalls zusammengestohlen, zu einem Großteil von der Band „New Paints“. Daraufhin wurden die Kampfgeschwadermitglieder Thomas Wagner und Pierre Stroer in Untersuchungshaft genommen. Eine weitere Person, Rene-Klaus Willing erhängte sich bereits kurz nach der ersten Durchsuchung im Sommer 2000. Ermittelt wurde laut Staatsanwaltschaft Erfurt gegen 3-4 Bandmitglieder wegen Volksverhetzung und Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Sowie in einem abgetrennten Verfahren gegen sieben Personen wegen Einbruchdiebstahls. Am 29. Januar 2005 tauchte dann erstmals die Nachfolgeband „SKD“ auf und spielte vor 200 TeilnehmerInnen in Gotha.[7]

Verstrickung der Mitglieder in regionale Neonazi-Strukturen

Die Mitglieder der Band sind ebenfalls in der örtlichen extrem rechten Szene aktiv, so unter anderem in einem Neonazi-Tarnverein mit dem Namen „Toringi e.V.“. Bereits unter den Gründungsmitgliedern befanden sich SKD-Schlagzeuger Thomas Wagner und vermutlich auch Gitarrist Christian Herrmann. Der Verein wurde dazu genutzt, um Räumlichkeiten in der Frimaerstraße anzumieten und dann als Treffpunkt und Versammlungsort der Neonaziszene zu fungieren. Das Konzept ging auf und das sogenannte „Grüne Haus“ wurde Anlaufstelle Nummer Eins für die rechte Szene in Gotha. Etliche Konzerte mit bis zu Hundert TeilnehmerInnen fanden statt und SKD nutzte den Keller als Proberaum. [8] Nach den Aussagen eines Besuchers wurden im so genannten „Bierkeller“ ebenso Steckbriefe von politischen Gegnern veröffentlicht wie auch ein Hinweisblatt mit dem Titel „Kameraden“, in dem stand, dass es das Ziel sei, „mit dem übererwirtschafteten Kapital den politischen Kampf zu finanzieren“, was wohl vordergründig durch die Einnahmen bei Konzerten und den Getränkeverkauf realisiert werden sollte. Das Gebäude wurde mehrfach durchsucht, versiegelt und nach einem Rechtsstreit im März 2006 entgültig geschlossen.

Auch weitere Band-Mitglieder sind in rechtsextreme Strukturen eingebunden. So zum Beispiel der Bassist und Sänger Ronny Hahn, alias Harry, welcher am 21. Oktober 2005 wegen eines rassistischen Übergriffs verhaftet wurde. [9] Er war im Gothaer Neonazi-Geschäft „Sniper Store“ tätig, in dem rechtsextreme Kleidung wie Thor Steinar und rechte Musik angeboten wurde. Hahn beschuldigte mehrere linke Jugendliche, ihn 2003 angegriffen zu haben. Im Prozess im März 2006 räumte er ein, dass die Angeklagten unschuldig seien und er sie wohl „nur aus Frust angezeigt hätte“. Zusammen mit der Eisenacher Nazikaderin Katja Baumann und dem Arnstädter Konzertorganisator und Blood & Honour-Aktivisten Patrick Wiedorn verschwand er wieder, nachdem er vor versammelten Publikum erklärte, dass er damit nichts mehr zu tun hat und jetzt einen Laden betreut, wo er nicht wolle, „dass die Antifa ihm die Scheiben einschmeisst“. Etwa vier Monate später wurde in das Geschäft eingebrochen und der gesamte Bestand an Kleidungsstücken sowie 250 Rechtsrock-CDs, im Wert von 15.000 Euro auf bisher ungeklärte Weise gestohlen. [10] Inhaber des inzwischen leerstehenden Geschäfts war der Rechtextremist Steffen Richter, der ebenfalls SKD oder mindestens dem nahen Umfeld zugerechnet wird und am 20. Mai 2006 die Ladeneröffnung mit einem Konzert feiern wollte. Nachdem die Polizei den Vermieter der Lokalität informierte, wurde der Mietvertrag gekündigt.

Auflösungsbestrebungen, Geldprobleme und interner Szenestreit

Wie die Kameradschaft Blankenhain auf ihren Internetseiten berichtete, fand am 21. Januar 2006 ein Abschiedskonzert der Band SKD statt. Nach Aussagen von Thomas Wagner in einem Interview im Mai 2006 hatte die Band damals ernsthaft vor sich aufgrund „interner Probleme“ aufzulösen. Die zwischenmenschlichen Probleme konnten offenbar ausgeräumt werden, denn die Band existiert weiterhin. Weiterhin erklärte Wagner, das er nun auf einem Schuldenberg von 11.000 Euro säße, was auf das „legendäre Proberaumabrisskonzert“ zurückzuführen sei. Am 19. Februar 2005 hatte die Polizei ein Konzert mit 150 TeilnehmerInnen aufgelöst, welches im früheren SKD-Proberaum in der Alten Brauerei auf einem Fabrikgelände in Gotha stattfand. Dies war ebenfalls der Veranstaltungsort für das erste bekannte SKD-Konzert wenige Wochen zuvor, nach dessen Auflösung durch die Polizei bereits das Mietverhältnis gekündigt wurde. Am 22. Oktober 2005 trat die Band im bayrischen Mitterskirchen zu einem Blood & Honour-Konzert auf. Da Sänger „Harry“ am Tag zuvor inhaftiert wurde, sprang Blutstahl-Sänger Sebastian Färber ein und vermutlich auch der Blutstahl-Gitarrist Barny. Das Konzert wurde aufgenommen und mit dem Life-Mitschnitt eine illegale CD produziert, welche über Neonazi-Versände im Ausland wie den schwedischen „Nordvind Records“ erwerbbar ist. Die Produktion des Tonträgers mit der Aufschrift „SKD & Blutstahl live – Wer sich nicht wehrt, der lebt verkehrt“ umfasst 14 Titel, darunter überwiegend volksverhetzende Coversongs der rechtsextremen Bands Landser und Skrewdriver. [11] In einem Lied wird zum Beispiel zur Gewalt gegen den Initiator der Wehrmachtsausstellung mit dem Refrain „Volk ans Gewehr, gegen Reemstma und Heer!“ aufgerufen, in einem anderen die verbotene Neonazi-Organisation „Blood & Honour“ verherrlicht. Die Aufnahme und Veröffentlichung der CD sei nicht mit Blutstahl abgesprochen [12] und so wurden Ende März 2006 Rundschreiben und SMS verschickt, in denen die Verantwortlichen vom Kauf der CD abrieten, weil sich Blutstahl Sänger Sebastian Färber davon distanzierte. In der Erklärung heisst es unter anderem „ich bin pappesatt!!! .... Keine Ahnung, wer sich da wieder mal die Taschen vollstopfen will - aber das finden wir raus und dann hagelt´s "Konsequenzen". Blutstahl distanziert sich von dieser CD und hat sich übrigens vor geraumer Zeit aufgelöst! Mit dem Kauf dieses Bootlegs unterstützt ihr auf jeden Fall die Falschen!!!“ [13]. Bereits am nächsten Tag publizierte Thomas Wagner eine Stellungnahme, in der er die Produktion rechtfertigte, weil der Blutstahlsänger nur als Ersatz für den verhafteten SKD-Sänger eingesprungen sei und nicht die Band repräsentiere. Weshalb der Name der Jenaer Band dennoch groß und deutlich auf dem Cover der CD zusammen mit seiner eigenen Band auftauchte, verriet er der rechten Szene nicht. Weitere Schmährufe gab es, als die Band zugesagt hatte am 19. August bei einem Konzert in Franken zu spielen, mehrere Hundert Neonazis vor Ort jedoch enttäuscht warten mussten, weil die Band unentschuldigt fehlte.

Bekannte Konzerte bei denen SKD aufgetreten ist:
(Oder auftreten sollte und die Polizei die Veranstaltung unterbrochen/verhindert hat)

29.01.2005 in Gotha
12.02.2005 in Erbendorf
28.05.2005 in Weimar
04.06.2005 in Unbekanntem Ort
10.06.2005 in Saalfeld-Gorndorf
02.07.2005 in Österreich
23.07.2005 in Mitterskirchen
30.07.2005 in Gotha
06.08.2005 in Saarbrücken
13.08.2005 in Griesheim
24.09.2005 in Saalfeld
08.10.2005 in Rudolstadt
22.10.2005 in Mitterskirchen
05.11.2005 in Gotha
26.11.2005 in Saalfeld-Gorndorf
17.12.2005 in Gotha
25.12.2005 in Gräfenroda
11.02.2006 in Saalfeld
21.02.2006 im Raum Gotha
25.02.2006 in Mylau
15.04.2006 in Südwestdeutschland
27.05.2006 in Unbekannten Ort
24.06.2006 in Sondershausen
29.07.2006 in Baden
11.09.2006 in Südthüringen
11.11.2006 in Wernshausen

Veröffentlichungen:

Juli 2006 wurde eine Demo-CD mit drei Liedern veröffentlicht, später eine weitere mit acht Liedern und dem Titel „Volkssturm“. [12] Im November 2006 ging die Internetseite der Band online, welche von Bandmitglied Jörg Siller angemeldet wurde. Auf der veröffentlicht sie auch Bilder der Mitglieder, von Konzerten und des Proberaums. Im gleichen Monat erschien auch über die „Gjallahorn Klangschmiede“ ein SKD-T-Shirt, auf dem unter dem Bandnamen der Spruch „Eisern und Stolz“ sowie im Hintergrund ein Schlagring abgedruckt sind. Für den 9. Dezember 2006 war ein Konzert mit extrem rechten Bands in Spanien geplant [15], für das die Band zunächst öffentlich auch für einen Reisebus warb. Das Konzert wurde abgesagt bzw. verschoben. Für das Jahr 2007 kündigt die Band über ihre Internetseite die erste eigene CD-Veröffentlichung, ein Musikvideo als DVD sowie Aufkleber und Buttons der Band an. [16] Mitglieder der Band tauchen in den Kundenlisten bei rechtsextremen Versänden wie dem sogenannten „Front Records“ auf und sind in einschlägigen Internetforen aktiv. Die Band verfügt ebenfalls über ein eigenes, aber kaum frequentiertes Unterforum in der rechtsextremen Plattform "United Forum". Dort gab Thomas Wagner im Juni 2006 bekannt: "Suchen auf diesem Weg noch Bands die Material für einen Sampler zur Verfügung stellen.Der Erlös fließt komplett in ein nationales Hausprojekt. Nach langer Pause ergänzte er im November 2006, dass das Projekt nun langsam Form annehme und bereits ein Tonstudio zur Verfügung steht.

[1]http://de.wikipedia.org/wiki/Oskar_Dirlewanger

[2] http://www.pds-fraktion-thueringen.de/parlament/ganfrage/ganfrage_4/dr41404.pdf

[3] LVBT 1996, Seite 44 sowie Thüringer Landeszeitung 17.09.1996

[4] Thüringer Allgemeine, 10.06.1997

[5] Thüringer Landtag, Drucksache 2/2006

[6] LVBT 2000, Seite 61

[7] http://www.mobit.org/Materialien/Chronik_Rex-Th%FCringen-2005.pdf

[8] http://de.indymedia.org/2005/11/131225.shtml

[9] Aus Stellungnahme vom Thomas Wagner vom 26.03.2006 + Gästebucheinträge bei der Eisfelder Neonaziband „Skull"

[10] http://www.thueringen.de/de/polizei/gotha/medien/pressemitteilungen/23213/content.html

[11]http://www.nordvind-records.net/shop/product_info.php?cPath=24_30&products_id=435&osCsid=66afbdd4b.

[12] http://forum.skadi.net/skd-t51499.html?t=51499

[13]http://chat.my-rocknord.de/viewtopic.php?p=84731&sid=d501f92c41a7f019259fa6a183eebced

[14] http://www.gjallarhorn-klangschmiede.com/shop/images/medium/final.jpg

[15] http://img243.imageshack.us/img243/218/flyer20061209spli4.jpg

[16] http://www.eisern-stolz.de/bilder/sonstiges/skdvorankuendigung.jpg

 

 

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